Reisebericht 1 - Start in St. Jean-Pied-de-Port
Als Startpunkt für unsere Tour entlang des spanischen Jakobsweg haben wir St. Jean Pied-de-Port gewählt. Es liegt am Fusse der Pyrenäen, nur einige Kilometer von der spanischen Grenze entfernt. Von hier aus sind es auf direkter Route bis zum Ziel Santiago de Compostela ca. 850 Kilometer. Bei uns werden es aber etwas mehr werden, da wir links und rechts des Weges einige interessante Abstecher machen werden. Wir das sind Rafael und Kurt-Jürgen aus Freiburg und wir werden mit dem Mountainbike die Strecke bewältigen, da wir alleine 20 kg Filmausrüstung mitschleppen, da wir einen Filmbericht im neuen HDTV-Format über unsere Reise fertigen wollen.

Die ersten beiden Tage vergehen in St. Jean mit recherchieren und Leute kontaktieren. Und hier treffen wir auch gleich die Leute die den gesamten Weg auf sich nehmen wollen. Da ist z.B. Wolfgang aus Österreich, der mal in 15 Tagen den ganzen Weg von Bregenz aus bis hierher mit dem Rad und 30 kg Gepäck auf einem Anhänger hinter sich gebracht hat. Er strahlt und sagt dass er jetzt mal schnell mit dem Zug zurückfährt, da er noch 4 Wochen arbeiten muss. Dann will er mit dem Billigflieger wieder herkommen und den Rest bis Santiago abradeln.
Aber auch das ältere Ehepaar aus Hamburg, dass nun bereits zum 2. Mal eine Teilstrecke des Weges gegangen ist will wieder zurück kommen - zwar erst nächstes Jahr, aber sie haben auch vor irgendwann den ganzen "Camino" abgewandert zu haben.


Und dann treffen wir noch Paul aus Canada, der in Calais mit der Fähre angekommen ist und von dort zu Fuss gestartet ist. Kurz vor der spanischen Grenze ist er dann gestürzt und hat sich den Rücken verletzt. 2 Wochen war er dann beim Chiropraktiker in Behandlung. Nun ist sein Kreuz zwar noch nicht ganz o.k. aber er will trotzdem weitergehen. Und deswegen hat er sich einen kleinen Gepäckwagen besorgt und will nun seine Ausrüstung nicht mehr tragen, sondern hinter sich herziehen. So hofft er die nächsten 850 km noch bewältigen zu können. Ausgeflippte Typen, denken wir, aber solche werden wir in den nächsten Wochen noch zuhauf antreffen!
Die Helfer im Pilgerbüro von St. Jean machen uns auf jeden Fall Mut und versuchen die Tour als sehr einfach darzustellen. Aus unseren Vor-Recherchen wissen wir aber, dass dem wohl jetzt mitten im Sommer nicht so sein wird. Nordspanien und besonders die Hochebene brodelt tagsüber meist mit 40 Grad und mehr.
Hinter St. Jean geht es gleich richtig los - 25 km sind es bis wir die nächsten 800 Höhenmeter hinter uns gebracht haben und auf dem Gipfel des Ipaneta Passes stehen. Rafael und ich müssen mit den Bikes dabei die Strasse nehmen.
Wir nehmen den Berg in Angriff und geniessen das sehr angenehme kühle Wetter. Sogar Nebel hängt in den Hügeln. Später erfahren wir aber, dass dieses Wetter hier in den Pyrenäen alles andere als harmlos ist. Im Mai 2002 sind 2 Pilger in einem Schneesturm um´s Leben gekommen.
Rafael und ich kommen gut voran.

Spätnachmittags machen wir dann Halt an einem etwas abseits liegenden Waldweg und entdecken einen traumhaften Platz, direkt an einem plätschernden Gebirgsbach der umrahmt ist von grünen Farnen. Und da wir die Tour nicht in Stress und Hektik angehen lassen wollen, beschliessen wir hier in unseren Tatonka-Moskitozelten zu übernachten, ein Lagerfeuer zu machen und uns unsere beiden Flaschen spanischen Rotwein munden zu lassen. Was soll die Hektik - morgen ist ja auch noch ein Tag!